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Bahnanschluss EuroAirport: Ökologisch sinnvoll und für die Stärkung des öffentlichen Regionalverkehrs wichtig

Bahnanschluss EuroAirport: Ökologisch sinnvoll und für die Stärkung des öffentlichen Regionalverkehrs wichtig

Der EuroAirport ist nach wie vor nur auf der Strasse erreichbar. Mit einer Bahnanbindung könnte rund ein Drittel des Verkehrsaufkommens verlagert werden. In meinem Beitrag in der Basler Zeitung befürworte ich den Bahnanschluss auch als Beitrag zur Stärkung des öffentlichen Regionalverkehrs.

Rund acht Millionen Passagiere fahren jährlich vom oder zum EuroAirport. Hinzu kommen die über 6000 Mitarbeitenden, die täglich ihren Arbeitsplatz am Flughafen ansteuern. Die allermeisten davon kommen und gehen mit dem Auto, mit dem Linienbus oder mit dem Taxi. Sie haben keine andere Wahl, denn der Flughafen ist nach wie vor nur auf der Strasse erreichbar, oder in der Sprache der Verkehrspolitik ausgedrückt: Der Modalsplitt im Verkehrskonzept der Flughafenerreichung ist zu 100% autolastig. Dabei könnte mit einer Bahnanbindung mindestens ein Drittel des Verkehrsaufkommens von der Strasse geholt werden. Das wären eine halbe Million Autofahrten weniger pro Jahr, was schon allein aus ökologischer Sicht aufgrund des geringeren CO2-Ausstosses sinnvoll wäre.
Weshalb hat man das nicht längst gemacht? Ein erster Grund liegt sicher in der Komplexität eines grenzüberschreitenden Schienenprojektes. Da mahlen die politischen Mühlen bekanntlich langsam, vor allem, wenn es um die Finanzierung geht. Mittlerweile liegt aber ein konkretes Projekt vor, das auf dem bestehenden Liniennetz zwischen Mulhouse und Basel aufbaut und mit einem «Abzweiger» auf der Höhe St. Louis den EuroAirport ans Schienennetzt anbinden soll. Nachdem das Vorhaben lange Zeit aufgrund mangelnden Interesses der französischen Politik als chancenlos galt, geht es nach dem Meinungsumschwung im Transportministerium nun vorwärts mit der Planung.
Ein weiterer Grund für die Zurückhaltung beim Schienenanschluss des Flughafens ist auf der Schweizer Seite zu sehen. Hier wird befürchtet, dass eine solche Erschliessung den Flughafen attraktiver machen und zu mehr Flugbewegungen und Lärm führen würde. Diese Argumentation konnte ich nachvollziehen, als – vor Jahren – die Idee einer direkten Anbindung von Intercity-Zügen aus der ganzen Schweiz im Raum stand. Von Bern und Zürich direkt und bequem nach Basel in den Ferienflieger – das hätte sich wohl tatsächlich spürbar auf das Flugangebot ausgewirkt.
Beim nun vorliegenden Projekt geht es aber um etwas ganz anderes, nämlich um die Stärkung des S-Bahnnetzes in der trinationalen Region Basel. Geplant sind neue Durchmesserlinien zwischen Basel und Strasbourg, Liestal und Mulhouse sowie Laufen und St. Louis, jeweils mit Halt am EuroAirport. Dieser soll über eine vollständig auf französischem Gebiet liegende «Schleife» einbezogen werden. Wer mit dem Zug von Zürich oder Bern kommt, muss wie bisher in Basel umsteigen, um an den Flughafen zu gelangen.
Der «Bahnanschluss» ist also nicht ein Flughafenprojekt, sondern ein Projekt des öffentlichen Regionalverkehrs zwischen Frankreich und der Schweiz. Es entstehen mehr und bessere Verbindungen zwischen den Bahnhöfen der betroffenen Strecken. Damit wird nicht nur die Flughafenstrasse entlastet, sondern das gesamte Strassennetz in der Grenzregion. Von dieser Stärkung des öffentlichen Verkehrs profitieren namentlich die vielen Pendler, die heute täglich im Stau stehen.
Selbstverständlich ist nicht von der Hand zu weisen, dass mit der Anbindung des Flughafens an das regionale S-Bahnnetz auch schnellere und verlässlichere Verbindungen entstehen, die wiederum der Attraktivität des EuroAirports zuträglich sind. Der Bahnanschluss will aber nicht mehr Passagiere zum Flughafen bringen, sondern einen alternativen und attraktiven Anfahrtsweg bieten und damit die Strassen entlasten. In der aktuellen politischen Diskussion geht es also um eine Abwägung zwischen der Stärkung des öffentlichen Regionalverkehrs und einer moderaten Zunahme der Flugbewegungen. Es wäre eine vertane Chance, wenn diese Abwägung schon zum vornherein zulasten eines starken S-Bahn-Netzes im Dreiland ausfallen würde.

(Balz Stückelberger, Gastbeitrag in der Basler Zeitung, 4. Juni 2019)

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